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Der graue Star und seine Behandlung
Was ist der Graue Star?
Der graue Star, auch Katarakt genannt, ist eine meist altersbedingte Trübung der hinter der Iris und Pupille gelegenen Augenlinse. Im Extremfall wird diese völlig milchig weiß, sodass die Pupille hell aufleuchtet. Der Betroffene sieht dann nur noch hell und dunkel, da dasLicht durch die trübe Linse kaum noch zur Netzhaut des Auges gelangen kann. Meist ist ein grauer Star allerdings nicht so stark fortgeschritten. Die Trübung der Augenlinse ähnelt dann eher einem stark verschmutzten oder beschlagenen Brillenglas. Dadurch sieht der Patient unscharf, neblig oder ist auch zeitweise sehr geblendet. Liegen derartige Sehbeeinträchtigungen vor, ist im allgemeinen der Zeitpunkt der Operation erreicht. Diese kann dann praktisch in jedem Lebensalter auch noch bei Hundertjährigen durchgeführt werden, denn die modernen OP-Methoden sind heute sehr schonend und deshalb auch noch bei Patienten mit vielerlei Allgemeinleiden ohne erhöhtes Risiko anwendbar. Im Unterschied zum grünen Star, bei dem der Augeninnendruck erhöht ist und wo ohne ständige Tropfbehandlung allmählich der Sehnerv unwiederbringlich zerstört wird, duldet die Operation aber durchaus einen gewissen zeitlichen Aufschub, beispielsweise wegen anderer dringlicher Behandlungen. Das Endergebnis, welches durch die Operation des grauen Stars erreichbar ist, wird dadurch im allgemeinen nicht beeinträchtigt, wohl aber die Lebens- und Sehqualität bis zum Eingriff. Der grüne Star muss hingegen nur selten, meist bei Versagen der medikamentösen Behandlung operiert werden. Allerdings führt dieser Eingriff beim grünen Star dann nicht zu einer Besserung des Sehvermögens. Manchmal ist der graue Star auch kombiniert mit einer Durchblutungsstörung an der Netzhaut, einer sogenannten Maculadegeneration. Ob trotz Vorliegen einer derartigen Erkrankung dann die Staroperation sinnvoll ist, kann nur im Einzelfall entschieden werden. Wir können mit Hilfe der sogenannten Fluorescenzangiographie (FAG ), einer Methode die in der Lage ist die Netzhautdurchblutung bildlich darzustellen, in Zweifelsfällen dazu beitragen die richtige Entscheidung zu treffen. Ist die Durchblutungsstörung nicht sehr ausgeprägt, aber der Star weit fortgeschritten so ist die Operation sinnvoll.
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Wie wird der Graue Star heute operiert?
Aufgrund der heute angewendeten Kleinschnitt-OP-Technik kann die
Operation des grauen Stars fast ausnahmslos ambulant durchgeführt
werden. Sie ist die einzig wirksame Behandlungsmethode. Eine
medikamentöse Therapie ist bis heute unbekannt. Da inzwischen sehr
viele Menschen ein hohes Alter erreichen, ist die Staroperation der am
häufigsten durchgeführte Eingriff weltweit. Leider ist der graue Star
in Entwicklungsländern immer noch wegen fehlender ärztlicher
Versorgung, Krieg oder mangelnder finanzieller Mittel für
millionenfache Erblindungsfälle verantwortlich. Die Operation ist
völlig schmerzlos und dauert meist nur ca.10 Minuten. Danach können die
Patienten in Begleitung ihrer Ehepartner, Kinder, anderer Angehöriger
oder von hilfsbereiten Nachbarn wieder nach Hause in die gewohnte
Umgebung entlassen werden. Wir sind nach der Operation natürlich für
Sie über ein Handy stets erreichbar.
Der graue Star wird zumeist mit der sogenannten
Ultraschallverflüssigungsmethode (Phakoemulsifikation) behandelt. Der
ganze Eingriff vollzieht sich unter dem Mikroskop bei etwa zehnfacher
Vergrößerung. Deshalb muss der Patient ruhig liegen, da sich jede
kleine Bewegung ebenfalls zehnfach vergrößert. Zunächst wird mit einem
Diamantmesser ein etwa 3 Millimeter breiter sogenannter Tunnelschnitt
angelegt. Dieser hat den Vorteil, dass er selbstschließend ist und am
Ende der OP nicht genäht werden muss. Das spart OP-Zeit und es müssen
später auch keine Fäden entfernt werden. Danach wird die
Ultraschallkanüle durch diesen Schnitt in das Auge eingeführt. Mit
40.000 Schwingungen in der Sekunde verflüssigt diese dann die getrübte
Augenlinse. Übrig bleibt danach nur die Linsenhülle, ein wenige
tausendstel Millimeter dickes durchsichtiges Häutchen, der sog.
Kapselsack. Im zweiten Schritt der Operation wird nun in diesen
Kapselsack die Kunstlinse eingepflanzt. Da der Durchmesser der
Kunstlinse etwa 6 Millimeter beträgt, kann sie nur im
zusammengefaltetem Zustand durch den Tunnelschnitt in das Augeninnere
gelangen. Die von uns verwendeten Kunstlinsen bestehen daher meist aus
einem faltbaren Acrylkunststoff. Die Linsen sind aus einer runden Optik
mit zwei angesetzten C-förmigen seitlichen Bügeln aufgebaut. Die
Aufgabe der Bügel ist es, die Linse später im Auge zentriert in der
Mitte hinter der Pupille zu halten. Sobald sich die neue Linse im Auge
befindet, ist die OP beendet. Durch die Verwendung von
Kleinschnitt-Technik und faltbarer Kunststofflinse ist kein
Nahtverschluss der Wunde mehr erforderlich. Dies hat dazu beigetragen,
dass Staroperationen heute fast ausschließlich ambulant durchgeführt
werden.
Die genaue Stärke der Kunstlinsen wird vor der Operation in unserer
Praxis bei der Voruntersuchung routinemäßig mit der
Laservermessungsmethode mit einem Zeiss-Gerät bestimmt. Dieses
Verfahren ist sehr genau, da es das Auge berührungsfrei vermessen kann.
In den Fällen in denen diese Methode nicht anwendbar ist, steht mit der
Ultraschallvermessung ein weiteres bewährtes Verfahren zur Verfügung.
Mit dem Ultraschall können auch durch den grauen Star bereits
erblindete Augen korrekt vermessen werden. Beide Verfahren sind völlig
schmerzfrei. Die genaue Bestimmung der Kunstlinse führt heute dazu,
dass nach der Operation häufig keine oder nur eine sehr schwache Brille
getragen werden muss. Meist ist nur noch beim Lesen eine Brille
erforderlich.
Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Linsentypen derer genaue
Aufzählung diesen Rahmen sprengen würde. Vieles um dies Thema herum
wird, auch gesteuert von Firmeninteressen, teilweise sensationsartig in
den Medien dargestellt. Festzuhalten bleibt, dass es inzwischen einen
gewissen Standard an Faltlinsen aus Acryl oder Silikon gibt, an dem
sich Neuentwicklungen messen lassen müssen. Meist werden daher heute
Einstärkenlinsen eingepflanzt. Die Feinkorrektur für Fern und Nah
erfolgt dann mit der Brille. Sog. Multifokallinsen mit mehreren Stärken
haben sich bisher nicht durchgesetzt, da nicht alle Patienten damit
zufrieden waren und einzelne Implantate deshalb auch operativ
gewechselt werden mussten. Akkomodative Linsen haben den Nachweis ihrer
Funktionsfähigkeit bisher nicht erbracht, sind aber wahrscheinlich im
Einzelfall durch ein sehr ungünstiges Verhalten im Auge belastet.
Blaufilterlinsen sollen die Netzhaut vor energiereichem Licht schützen
und deshalb einer Maculadegeneration vorbeugen helfen. Ob sie das
tatsächlich leisten, muss noch in langen Untersuchungen bewiesen
werden, allerdings bedeutet die Einpflanzung einer solchen Linse keinen
Nachteil gegenüber der eines herkömmlichen Typs.
Der graue Star wird meist in örtlicher Betäubung operiert. Durch eine
kleine Injektion neben das Auge erreicht man völlige Schmerzlosigkeit
während des Eingriffs. Diese Injektion kann auch während einer nur
sekundenlangen intravenösen Kurznarkose gegeben werden, sodass sie der
Patient überhaupt nicht wahrnimmt. Auch durch die alleinige Gabe
betäubender Augentropfen ist eine ausreichende Anästhesie für den
Eingriff zu erreichen. Allerdings muss der Patient dann während der
Operation mitarbeiten und darf nicht versuchen vom OP-Licht
wegzuschauen. Auch muss er ein gewisses Druckgefühl beispielsweise
durch den Lidsperrer tolerieren können. Die Verfahren zur örtlichen
Betäubung sind alle sehr kreislaufschonend und deshalb auch bei
hochbetagten Patienten mit vielerlei Allgemeinerkrankungen
(Bluthochdruck, Diabetes, Asthma, u. s. w.) anwendbar. Voraussetzung
ist nur, dass sie ca. 15 Minuten relativ flach auf dem Rücken liegen
können. Als Alternative dieser Verfahren kommt noch die Kurznarkose in
Betracht. Die Kurznarkose ist für das Auge betrachtet das sicherste
Verfahren, das sie alle negativen Einflüsse des Patienten oder der
örtlichen Betäubungsart für die Staroperation ausschaltet. Sie wird
deshalb meist bei sehr ängstlichen Patienten, jungen Leuten, einzigen
oder operativ sehr schwierigen Augen angewendet. Die Narkosetiefe ist
bedingt durch die sehr kurze OP-Zeit nur gering, sodass die Patienten
unmittelbar am Ende des Eingriffs schon wieder erwachen. Nach etwa zwei
Stunden der Nachbeobachtung kann der Patient dann das Krankenhaus
verlassen.
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Können Komplikationen auftreten?
In der Hand eines über viele Jahre erfahrenen Augenchirurgen ist die
Operation des grauen Star ein sehr risikoarmer Eingriff. Ca. 99 %
verlaufen ohne ernstzunehmende Komplikationen. Schwerwiegende
Zwischenfälle, die sogar im Extremfall den Verlust des Sehens zur Folge
haben können, wie schwere Blutungen oder Vereiterungen des
Augeninneren, sind mit einer Auftretenswahrscheinlichkeit von unter
eins zu fünftausend sehr selten. Allerdings sind diese Komplikationen
nicht vorhersehbar. Gelegentlich muss wegen einer Falschmessung oder
einer Verlagerung der eingepflanzten Linse diese durch einen
Zweiteingriff ausgetauscht werden ( ca. 0,1 % ). Oberflächliche
Blutungen der Bindehaut oder vorübergehende Hornhauttrübungen sind
häufiger, verschwinden aber nach kurzer Zeit. Eine bleibende
Hornhauttrübung, die operativ in einer Spezialklinik behandelt werden
müsste, ist ebenfalls sehr selten. Zentrale Netzhautschwellungen können
in neuerer Zeit sehr gut mit Kortisoninjektionen behandelt und geheilt
werden. Selten kann auch die Kunstlinse nicht gleich in der ersten
Operation eingesetzt werden. Dies gelingt dann aber meist in einem
weiteren Eingriff. Relativ häufig, besonders bei Patienten mit einem
grünen Star, ist ein vorübergehender Anstieg des Augeninnendruckes,
gel. verbunden mit Schmerzen. Dies lässt sich jedoch rasch mit
Tabletten und Augentropfen beherrschen. Langfristig wird aber der
Augendruck durch die Operation des grauen Stars eher günstig
beeinflusst, nämlich gesenkt. Leicht erhöht ist nach jeder, auch völlig
komplikationslos verlaufenden, Operation das Risiko einer späteren
Netzhautablösung. Dies Risiko kann aber wegen der Notwendigkeit der
Staroperation nicht umgangen werden und schließlich ist auch eine
Netzhautablösung in einer Spezialklinik gut zu behandeln.
Strenggenommen nicht zu den Risiken muss man das Auftreten eines
Nachstares Monate oder Jahre nach der Operation rechnen. Hier trübt
sich die hintere Linsenkapsel, ein Teil des verbliebenen Kapselsackes
der die Kunstlinse trägt, ein. Dies führt zu einer Sehverschlechterung
ähnlich wie vor der Staroperation. Der Nachstar lässt sich jedoch in
Sekunden schmerzlos mit einem Laser beseitigen. Eine weitere Operation
ist deshalb nicht erforderlich. Danach ist die Sehschärfe wieder
hergestellt.
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Die Nachsorge
Die erste Kontrolle nach der Staroperation wird im Regelfall am
folgenden Tag in unserer Praxis durchgeführt. Hier wird der Verband
abgenommen und kann nunmehr auch weggelassen werden. Viele erleben
diesen Moment wie eine „ Wiedergeburt “. Was sie vorher grau und
schummrig gesehen haben, erstrahlt jetzt wieder klar und in satten
Farben. In den weitaus meisten Fällen ist das Sehen jetzt viel besser
als vor dem Eingriff. Bei einigen Patienten braucht es aber auch noch
wenige Tage Zeit, sodass niemand unglücklich sein muss wenn er nicht
gleich alles sieht. Die schnelle Wiederherstellung der Sehkraft nach
der Operation ermöglicht es, dass die Patienten rasch ihre
Alltagstätigkeiten wiederaufnehmen können. Lesen, Fernsehen, nach
Draußen gehen, einkaufen, kochen und sogar bücken und heben sind sofort
wieder möglich. Autofahren ist in Absprache mit dem Augenarzt, ggf.
nach Verordnung einer vorläufigen Brille, ebenfalls meist wieder
möglich. Einzig Druck auf das operierte Auge und Schwimmbadbesuche sind
zunächst zu vermeiden.
Mit den operierten Patienten wird das weitere Verhalten genau
besprochen. Sie erhalten Anweisungen welche Augentropfen sie zu
applizieren haben und wann sie ihren zuweisenden Augenarzt zur nächsten
Kontrolluntersuchung aufsuchen müssen. Alle Patienten die uns
zugewiesen wurden, erhalten danach einen Brief für ihren Augenarzt.
Diejenigen die direkt zu uns gekommen sind, bekommen einen weiteren
Kontrolltermin bei uns in einigen Tagen. Die Nachsorge ist wichtig,
weil manche Komplikation auch mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung
auftreten kann und eine frühestmögliche Entdeckung die Heilungschancen
erheblich verbessern kann.
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Wer trägt die Kosten?
Natürlich kann man nicht in die Zukunft sehen und alle Einfälle unserer
Gesundheitspolitiker und Krankenkassenvertreter vorhersagen. Jetzt ist
es allerdings noch so, dass sowohl die ambulante Operation wie auch die
Kunstlinse voll von allen Krankenkassen bezahlt werden. Auch eine
Taxifahrt hin zum OP-Zentrum und die dazugehörige Heimfahrt wird
abzüglich eines Eigenanteils des Patienten in diesem Ausnahmefall
erstattet.
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Zusammenfassung
Wir hoffen, Ihnen mit dieser Information ein klein wenig die oft unvermeidliche Angst vor dem meist unabwendbarem Eingriff bei der Diagnose Grauer Star genommen zu haben und werden das Menschenmögliche für Ihre Sehkraft tun. Die Operation des grauen Stars ist in der Hand des erfahrenen Augenchirurgen ein sicherer Eingriff. In 99 % der Fälle treten keine ernstzunehmenden Komplikationen auf. Durch die Kleinschnitttechnik mit Ultraschallverflüssigung, Faltlinseneinpflanzung und nahtlosem Wundverschluss kann die Staroperation fast ausschließlich ambulant durchgeführt werden. Die rasche Wiederherstellung der Sehkraft ermöglicht es den Patienten rasch wieder am sozialen Leben zu Hause und in ihrem Beruf teilzunehmen. Im Alter trägt heutzutage der hohe Standard dieser wohl erfolgreichsten Operation in der Medizin ganz entscheidend zur Verbesserung der Lebensqualität bei. Viele Patienten werden durch diesen Eingriff von der Berufs- und Erwerbsunfähigkeit bewahrt. Ältere Menschen können dadurch länger ihre dringend notwendige Mobilität mit dem Auto bewahren.
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